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Restaurant Wielandshöhe
- Vincent Klink -
Alte Weinsteige 71
D-70597 Stuttgart-Degerloch

Telefon 0711/640 88 48
Telefax 0711/640 94 08

Sonntag und Montag Ruhetag

Küche
12.00-14.00 18.00-21.00

Tischreservierung nur
per Telefon

Keine Kochkurse
www.wielandshoehe.de
edition@vincent-klink.de

28. Februar 2007

Weicheier
Die Gabe der Nachsicht stelle ich bei mir immer wieder fest. Vorhin blätterte ich das gerade sehr angesagtes Heft „Vanity Fair“ durch. Vor lauter Werbung drang ich zu einer Story gar nicht durch. Egal. Eines stellte ich aber zweifelndem Behagen fest.

Die Männer auf den Werbeseiten, also genau die Typen die man als Leitbilder vorführt, also diese ganzen Weicheier: Einen Krieg fangen diese deutschen Männer keinen mehr an. Unsere Nachbarn können aufatmen. Ich denke schon, dass wir momentan zu den friedfertigsten Herren weltweit uns zählen dürfen. Immerhin.


27. Februar 2007

Katz und Maus?
Meine Frau rief von der Wohnung an, die Katze hätte eine Spitzmaus in die Wohnung geschleppt. Das kommt öfter vor, aber es war anscheinen eine besondere Spitzmaus. Meine Frau, obwohl im Mäusefangen geübt, bekam das Vieh nicht in den Griff. Unser Prachtskater Jolie hatte an der Hatz auch jedes Interesse verloren. Also ich ging rüber obwohl ich vor Mäusen Angst habe. Auch kleine Vögel kann ich nicht anfassen. Ich machte es wie der Kater, stellte mich machtlos und beobachtete die Szene. Die Maus suchte einen Ausweg und wuselte wie auf Schienen gezogen an der Wand entlang, ständig im Viereck des Zimmers. Die Maus war verzweifelt ich auch. Ich verließ leise die Stätte meiner Hilflosigkeit und machte mich wieder ans Kochen.

Die Gäste verließen langsam das Lokal, meine Frau wechselte die Kampfstätte und machte sich zur Wohnung auf, die gleich neben dem Restaurant liegt. Sie rief mich dann gleich auf dem Haustelefon an. Die Katze würde gerade ihren Frust am Fressnapf stillen. Die Maus wäre auf ihren Törns auch an der Stelle vorbeigekommen und beim Geruch des Futters hätte sie innegehalten. Gelangweilt drehte der Kater den Kopf nach dem Mäusegeräusch und. Sein Maul stand offen. Die Zeit stand still. Jolie war so baff, dass ihm das Fressen aus dem Maul fiel. Nach diesen Schrecksekunden wandte er sich wieder seinem Sheba zu (feine Pastete mit Huhn) und ignorierte die Maus demonstrativ. Meine Frau musste so lachen und prusten, dass der Kater nun vollends ganz in Schreck gerat und sich schleunigst verzog.

Wir machten uns Gedanken warum der normalerweise kampflustige Kater von der Spitzmaus nichts wissen wollte. Wahrscheinlich haben diese Nager Zähne, die sogar einem Geldtresor gefährlich werden können?

Wie geht die Geschichte weiter? Bei den Fangversuchen hatte meine Frau erkannt, dass die Maus keine Zitzen hatte. Wir haben also einen Mäuserich im Gemäuer, uns so tauften ihn Horst. Einen besseren Namen konnten wir nicht finden, dann alle Horsts inklusive dem Bundespräsidenten, alle sind taffe Leute die konsequent ihre Ziele durchsetzen. Mittlerweile campiert die Maus oft und lange mitten im Fressnapf und delektiert sich an den Katzen-Gourmetvariationen. Der Kater wartet brav bis Horst Platz macht. Letzte Meldung: Die Beiden fressen gemeinsam ihre Pasteten.


23. Februar 2007

Kürzlich kriege ich eine e-mail und der Schreiber liest dieses Tagebuch und meinte dann. „Klink Sie sind verrückt. Ihre Gedanken sind so vernünftig, dass man sich damit in unseren Zeiten Feinde schafft.“ „Vincent Klink, Sie machen ja das Gegenteil was gerade der Trend ist.“

Danke. Nun ja, ganz so ist es nicht. Deutschland wird zwar immer spinnerter, um nicht zu sagen bescheuert. Die große Gastronomie pflegt eine Art Mager-Model-Kitchen, die Dekonstruktion der Speisen wird gefeiert, der Koch gefällt sich als Chemielaborant und die Medien überschlagen sich mit Ernährungsthemen. Jede Menge heiße Luft wird da gefächelt.

Ganz lautlos wird aber eine schöne Nische immer breiter. Nie gab es so viele vernünftige gute Köche und nie gab es in meiner Laufbahn ein solch genießerisches Publikum. Freilich, dies Publikum, das sind mehrheitlich unauffällige Leute. Sie kommen nicht auf Breitreifen angestochen und hauen nicht auf den Putz. Dies Publikum weiß Bescheid, braucht keine Restaurant-Rankings und sie wissen, dass wahrer Genuss nichts mit Angabe zu tun hat. Solche Leute gibt es Haufenweise, oder anders, ich kenne nur solche..


Kochen vor 12.000 Jahren

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Gestern war ich im Badischen Landesmuseum: "Die ältesten Monumente der Menscheit." Hier ein Topf den neugierige Tiere observieren. Das hat mich sehr an meine Kindheit erinnert, war auch immer am 'Töpfegucken.

13. Februar 2007

Lieferant des Jahres
Das Restaurant Wielandshöhe liegt an einer sehr steilen Strasse. Es ist Donnerstag, wahnsinniges Schneegestöber. Die Straße zum Restaurant wird polizeilich gesperrt. Der Fahrer mit der Weinlieferung stapft den Berg zu Fuß hinab, um mitzuteilen, dass er nicht runterfahren kann. Als er bei uns ist fällt ihm ein, dass er hätte dies auch mit dem Handy erledigen können.

Ein Mitarbeiter vereinbart mit ihm den kommenden Dienstag, da Montag geschlossen sei.

Fahrer kommt trotzdem am Montag und versucht einzudringen. Er klingelt und be- kommt wegen nasser Finger einen Stromschlag (behauptet er). Fahrer gibt auf und kommt zwei Tage später wieder. Wie gesagt wir liegen an der Weinsteige (sehr steil). Er parkt seinen Laster aber nicht vor dem Eingang sondern zehn Meter weiter unter- halb. Der Wunderknabe der Transportlogistik schleppt die Weinkisten den Berg hoch. Ächzt und stöhnt. Er wundert sich über die Heiterkeit, die er verbreitet, als er seine ganze Leidensgeschichte uns Köchen erzählt.

Olivenöl, Attenzione

Olivenöl liebe ich über alles. Dass dieses eigentlich wunderbare Produkt der Natur spottbillig im Supermarkt zu kaufen ist hat seine Gründe:

Ein Drittel der EU-Bauern (2,5 Mio.) bauen Oliven an. Sie sind die größten Sub- ventionsprofiteure. Beispielsweise 2001 erhielten sie 2,5 Milliarden Euro Unterstützung. Industriell angebaute Oliven sorgen durch Unkrautvernichter, extreme Bodenbe- arbeitung, Düngung für gewaltige Bodenerosion und Absenkung des Grundwasser- spiegels.

Die Beurteilung der Umweltverbände WWF und Birdlite International sind deutlich: „Die intensivierte Olivenlandwirtschaft ist einer der Hauptgründe für eines der größten EU-Umweltprobleme: die weitverbreitete Bodenerosion und Desertifikation (Verwüstung) in Spanien, Griechenland, Italien und Portugal. Die Produktionssubventionen der EU benachteiligen ausgerechnet die traditionellen Anbaumethoden. Bauern müssen sich deshalb zwischen Intensivierung und Geschäftsaufgabe entscheiden.

Schluss mit der scheinbaren Idylle. Wir können zur Besserung der Situation beitragen indem man Bio-Öl kauft oder nach Speiseölen Ausschau hält, die von kleinen Kooperativen in bestimmten Regionen hergestellt wurden. Man achte darauf: ist kein eindeutiger Erzeuger genannt, sondern nur eine Handelsgesellschaft, dann sollte man die Ölflasche im Regal stehen lassen.


6. Februar 2007

Ein Quell der Erheiterung ist sicher der Restaurantführer Marcellinos.
Da gibt es richtig leckeren Wortgulasch, es ist die Rede von: „Preisambitionierte Speisekarte mit Surrounding-Zuschlag“. Mit letzterem ist wohl das Amuse Geule gemeint.
Weiter geht es mit einem Wahnsinns-Tester, der sich „im hippen Medienhafen der Modestadt Düsseldorf“ rumtreibt. Er berichtet vom „Mega Treffpunkt und Hotspot, gestyltem Laden, sexy Gäste, Service mit einem charmanten Lächeln. Doch wo ist dieser 'Place-to-be“?
Tja, manche suchen und finden, vor lauter Nebel der aus dem Maul dröhnt, nicht mal eine Portion Pommes.

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