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Restaurant Wielandshöhe
- Vincent Klink -
Alte Weinsteige 71
D-70597 Stuttgart-Degerloch

Telefon 0711/640 88 48
Telefax 0711/640 94 08

Sonntag und Montag Ruhetag

Küche
12.00-14.00  18.00-21.00

Tischreservierung nur
per Telefon

Keine Kochkurse
 

18. August 2010
Wer hat sie nicht, die Probleme mit der deutschen Rechtschrift. Denken Sie nur an die deutsche Speisekartensprache, sowieso ein Desaster. Nach der Reform, die keine richtige war, blickt nun keiner mehr durch und jeder schreibt wie er gerade will. Das ist eigentlich eine schöne Sache, aber irgendwie nicht korrekt und wir Deutschen sind doch berühmt als Dichter- und Denkervolk, und als superkorrekt sowieso.
ENDLICH:

Radikalreform der Deutschen Sprache

Dieser Fünfjahresplan sieht eine Neuentwicklung der veralteten deutschen Sprache vor:

Phase 1:
Das scharfe ß entfällt und wird zum ss, ebenso ph, welches zum einfachen f wird. Das Wort Fantasie zum Beispiel wird so um einen Buchstaben kürzer.

Fase 2:
Die kleinschreibung wird eingeführt und der buchstabe q durch kw ersetzt, wodurch die kwalität der Sprache eindeutig verbessert wird. v wird durch f, respektife durch w ersetzt, wie etwa in willa und faterlandsferäter.

fase 3:
das stumme oder dehnungs-h entfällt, es heisst jetzt teater. weiter ersetzt i das y, es heisst also ritmus. in dieser fase entfällt auch das ie wie in wiese und wird durch ein einfaches i ersetzt. die buchstabenkombination eu wird durch das schönere oi ferbessert.

fase 4:
die umlaute ä, ö und ü werden ersetzt durch e, o und i, also schreibt man zum beispil epfel, osterreich und finfzig. buchstabenverdoppelungen ferlengern worter unotig und entfalen daer. mitelalterliche worter wi knape oder riter werden einfacher und schneler zu schreiben sein!

fase 5:
das ch wird zum einfachen k, also kristus oder korknabe. ck wird durk ein einfakes k ersezt, tz oder ts werden durk das einfake z abgelost, wodurk di sprake nok einmal grindlik verkirzt wird. entscheidend ist aber di auflosung des umstendliken sch in ein einfakes s.
wortungetime wi dampfsifarzgeselsaft oder noiswanstein ferliren dadurk fir imer iren sreken!
so wird di doize sprake nikt nur konsekwent ernoiert und kwalitatif ferbesert, sondern auk dem oiropeisen lerniwo angepast und in den stand fersezt, sik in naer zukunft mit der noien englisen sprake, dem nu-inglis, zu fermelen und so den grundstein zu einer eineitliken oiropasprake zu legen!
erwartet werden nikt nur einsparungen an speikerplaz, sondern auk ereblike ferkirzungen zum beispil bei strasen- und orzsildern, auf denen dan etwa fon diseldorf, sarbriken oder libek di rede sein wird.
di nazjonalhimne wird dan lauten: doizland, doizland iber ales!
di oirospeise sprakregelungskomision (noidoiz) im oiroparat, brisel.

Der Schöpfer dieser Regeln ist Zeichner und Schriftsteller in Berlin, ein echter Supercrack und hiermit möchte ich auf sein neuestes Buch hinweisen, das er mit seiner Komplizin Ziska im Verlag Haffmans & Tolkemitt gerade veröffentlichte: “Kraft durch Freunde”!

Seyfried & Ziska kündigen den von ihren Fans langersehnten Comic mit folgenden Worten an: „Unser nächstes Album wird zur Abwechslung einmal politisch korrekt sein. Es wird brutal, fies und zum Schreien komisch. Ein richtiger Schlag in die Fresse der herrschenden Klasse. Mehr können wir noch nicht verraten…”

www.seyfried-berlin.de

17. August 2010
in dieser Woche erscheint Jonathan Safran Foers Buch "Tiere essen" auf deutsch und ein Journalist frug mich nach meiner Meinung. Hier die Anwort:

Lieber Herr...,
im April habe ich im Häuptling Nr. 42 auf Froer schon hingewiesen. Folgenden Satz fand man darin:

Vegetarisch essen muss nichts Absolutes sein. Ich glaube, wenn wir die Diskussion von der Frage der Identität lösen könnten – entweder Vegetarier oder nicht – und  sie zu einer Frage von Entscheidungen machen, wäre viel gewonnen. Und ich kann es nicht beweisen, aber ich vermute, dass Menschen, die sich Gedanken darüber machen, was sie essen, sich auch Gedanken über andere Sachen machen. Jonathan Safran Foer
(Eating Animals)


Die Auslegung der Froerschen Gedanken findet nun auf typisch Deutsche Art statt, wir nähern uns, was das Rauchen, das Trinken, das Fleischessen angeht einem totalitären Staat. Irgendwann erscholl in Teutonien mal der Ruf: “Totaler als total“. Das will mir einfach nicht aus dem Kopf. Muss man denn hier alles zur Hexenjagd machen, jeder ist bald des anderen Polizisten.

Verdammt, es muss auch moderater gehen. Ich habe Teilzeitvegetarier, die Ihre Haltung manchmal durchbrechen und nur bei mir Fleisch essen und sonst nirgends. Gewiss, Fleischessen in Deutschland gehört verboten, jedoch nicht dort, wo es sich um wirklich gutes Fleisch handelt. Und wer es ganz bleiben lässt hat meinen Respekt, sollte aber die Biofleischesser in Ruhe lassen.

Spanisches Eichelschwein kostet das Kilo ca.38 Euro. Letztlich ist wirklich gutes Fleisch nicht billiger zu haben. Das wird einem Schnäppchengermanen nie einleuchten und deshalb will ich auch in diesen Niederungen nicht diskutieren. Freund Droste hat‘s doch richtig gesagt: “Fleisch ist Genussmittel”, also nichts für den Dauergebrauch.

Dem habe ich nichts mehr hinzu zufügen.

Herzliche Grüße, Vincent Klink

 

Bahnhof

14. August 2010
In Stuttgart ist der Teufel los und darüber bin ich sehr froh. In Stuttgart soll nämlich ein Wahnsinnsbahnhof mit Konsumanimations-Stadtteil gebaut werden. Gestern haben über 20.000 Bürger dagegen protestiert. Keine Frage der alte Bahnhof muss modernisiert werden. Damit aber Züge schneller fahren können brauchen sie moderne Gleise. Von Stuttgart nach München fahren die ICE’s auf Bimmelbahnniveau. Um dort schneller zu werden braucht es kein Stuttgarter Milliardengrab. Die hohe Politik, dagegen hat das  Gespür für die Nöte der Bürger und auch die Achtung vor deren gesunden schwäbischen Menschenverstand verloren. Also wird das Prestigeobjekt eisenhart betoniert, denn es geht um viel Geld.
 Nochmal auf gut Deutsch:

 Es geht nicht nur um den Bahnhof und um schnelleres Zugfahren, sondern um Prestige und irgendwelche Leute fahren dabei eine fette Beute ein. Mit halbem Aufwand ließe sich nämlich auch ein moderner Bahnhof realisieren, ohne dass man einen ganzen Stadtteil umkrempeln, unterhöhlen und verwüsten müsste.  

Schön ist, dass sich die Front gegen den Gigantismus so kräftig dagegen stemmt. Und die Andren? Des Deutschen große Tugend ist seine Gefolgstreue. Schaut man sich in der deutschen Historie um, so sind Gefolgstreue und Obrigkeitshörigkeit jedoch der verheerendste germanischer Charakterzug. Jedenfalls: Politik wünscht sich doch immer den mündigen Bürger. Den gibt ist zu meiner Freude in Stuttgart massenhaft. Wie gesagt 20.000 aufgebrachte Bürger waren gestern auf den Beinen und diese werden die kommende Wahl entscheidend bestimmen. Die gefolgstreuen, obrigkeitshörigen Michel wird es weiterhin auch geben. Ja, aber vielleicht auch einen modernen, vernünftig kalkulierten Bahnhof.

Schoog

9. August 2010
Was könnte eine schöne Frau, die ich schon lange kenne, mir ins Ohr flüstern, das mich unglaublich entzückt? Es war der schlichte Satz: “Ich freue mich über jede Schnecke im Salat!”

Ganz klar, die famose Bernadette Schoog ist sicher der Ansicht, dass ein Salat ein vegetarisches Gericht sein sollte. Es gibt aber auch andere Frauen als Bernadette, die nämlich beim Anblick einer kleinen süßen Raupe in Ohnmacht fallen. Hier möchte ich keine schlampigen Köche verteidigen, aber es gibt Raupen, welche gutgetarnt die gleiche Farben haben wie das Blattgrün.

Kein Wunder, dass viele Restaurants industriell erzeugten Totsalat vorziehen, um nicht wegen eines übersehenen Biowürmchens womöglich noch auf Schadenersatz verklagt zu werden. Deshalb für die Aussage von Freundin Bernadette Schoog meinen ganz besonderen Dank.

Cavaillon-Melone

Sehen sie so aus, dann müssen die Früchte unverzüglich in den Kühlschrank und in den nächsten zwei Tagen gegessen werden. Das Fleisch dieser Melonen ist tief-orange und die Sorte die mit diesen Dingern konkurrieren kann, das wäre die Charentaise-Melone. In Cavaillon wird um diese Frucht ein regelrechter Kult gemacht. Ihr zu Ehren wurde die Confrerie des Chevaliers de I'Ordre du Melon de Cavaillon gegründet, eine Bruderschaft der Ordensritter zur Bewahrung der Ehre und des guten Rufes der Cavaillon-Melone!
 

7. August 2010
Die beste Melone ist zweifelsohne die Cavaillon-Melone. Cavaillon, eine typisch provencalische Stadt südöstlich von Avignon hat um den Stadtkern die üblichen Einkaufszentren, die genauso hässlich sind wie überall und die man als Zeitgeist-Stadtmauern ansehen könnte. Für einen Ästheten eigentlich unüberwindlich. Mit Beharrlichkeit kann man aber die Werbefahnen- palisaden durchbrechen und wenn man von der Stadt genug hat, dann gilt das auch umgekehrt. Melonenmäßig steuert man auf die Dentillen zu, eine Art Gebiss aus Kalkstein und der nördliche Rand des Comtat Venaissin.

Der Morgensonne entgegen erreichen Sie L’Isle sur Sorgue. Die Sorgue, ein veritabler Fluss drückt in einem Schwall aus einem Felsen. Jeder Forellenfischer bekommt feuchte Augen, sieht er den Fluss eilig der Rhone entgegenfließen. Jungfräulich und schon bald halb so breit wie der Neckar zappeln darin viele Forellen und genießen die Sauberkeit des Wassers, das man sich in dieser Qualität gerne für teuer gehandeltes Mineralwasser wünschen würde.

Wir rollen hoffentlich mit Aircondition, die das siedende Hirnwasser zähmt, Richtung Carpentras und sehen rechts die Ausläufer der Hochprovençe, also letztlich der Seealpen. Die Ebene des Rhonetals erinnert an ein Spinnennetz von Kanälen, in dem immer wieder Melonen schwimmen. Die Felder sind voll davon und die Früchte die irgendwelche Druckstellen haben fliegen kurzerhand in einen der nur meterbreiten Kanäle. Wie Kindsköpfe tanzen die Melonen darauf gen Rhone, und dem Mittelmeer zu. Es sei denn Vincent hängt hitzetrunken seine Zehen ins kühle Nass und angelt ich immer wieder eine.

Diejenigen Kugeln, die kistenverpackt in sanfte Holzwolle gebettet nach Deutschland gelangen sind schnell gezählt. Cavaillonmelonen sind die teuersten und deshalb essen die Franzosen diese selbst, um uns Deutsche nicht mit hohen Lebensmittelpreisen zu irritieren. Diese Melonensorte ist bei deutschen Gemüse und Früchtehändler nicht nur wegen des Preises gemieden, - sondern mehr noch wegen der Empfindlichkeit -, geradezu diskriminiert. Ja, es stimmt, sie bekommen gerne Druckstellen und verderben schnell. So hat sich also die Mehrzahl der Früchtekontore auf unzerstörbare und trittfeste Melonenarten spezialisiert.

Aus Erfahrung behaupte ich, dass kaum jemand weiß, wie gut eine Melone wirklich schmecken kann. Halbreif sind sie blassgrün und sehr anmutig anzuschauen. Hält man die Nase dran verströmt ein dezenter Duft. Dezent reicht bei mir aber nicht. Man muss die Früchte zuhause an warmer Luft noch nachreifen, bis sie fast „hinüber“ sind. Zur Reifung kann ich das Wohnzimmer kaum empfehlen, denn das Parfum das sie abgeben ist dermaßen intensiv, dass man daran kirre werden könnte. Wunderbare Sommerszeit, was schöneres als Melonen dazu kann ich mir im Momentgar nicht denken, na ja, evtl. ein strammes Melonendekolleté? Aua, was schöner ist, darüber könnte man lange streiten.

Küchen, auch die ohne technischen Overkill, wenn sie sauber und aufgeräumt sind, haben alle großen Reiz.  Diese hier steht im Freilandmuseum Bad Windsheim (Franken).
www.freilandmuseum.de
Ein Besuch lohnt sich sehr.

"Das Essen", soll Montesquieu gesagt haben, "ist einer der vier Zwecke des Daseins. Welches die drei anderen sind, darauf bin ich noch nicht gekommen." (...)

Zweieinhalb Jahre unseres Lebens verbringen wir am Esstisch. Das hat Franz Werfel einmal ausgerechnet, und er knüpft daran die Überlegung:"Ein guter Statistiker könnte errechnen, dass unsere Tragödien, unsere seelischen Kämpfe, unsere geistigen Stürme, unsere philosophischen und künstlerischen Erlebnisse eine weit geringere Weile in Anspruch nehmen. Wieviel aber reden die Menschen und ihre Bücher von diesen grossartigen Dingen, deren Besitz adelt, während sie die wichtigste und ausdauernste Beschäftigung ihres Daseins mit hochmütigem Schweigen übergehen.

Dies ist eine zimperliche Heuchelei und gouvernantenhafte Prüderie, welche die Alten nicht kannten, da sie das Mahl zu einem rechtmässigen Mittelpunkt ihrer Tage und Werke setzten."

Uecker

1. August 2010
Ist schon ein paar Monate her, aber jetzt fällt es mir wieder ein. Guenther Ücker wurde als Künstler durch seine Nagelbilder weltberühmt: dreidimensionale, weiß bemalte Reliefs aus Nägeln, die durch bestimmte Ausrichtung die Wechselwirkung von Licht und Schatten ihre eigene Dynamik erhalten. Ab 1962 versah Uecker Alltagsgegenstände wie Möbel mit Nagelreliefs. Mittlerweile ist der Mann eine Institution und hat sich ständig selbst erneuert, so dass man heute kaum mehr vom Nagelkünstler sprechen kann.

Die Wielandshöhe lieferte mal vor Jahren ein kaltes Buffet zu gut situierten Leuten, wie man im Schwabenland sagt. Ein älteres Ehepaar bewohnte über acht Stockwerke hinweg ein Haus, das voll mit Kunst war und heute noch ist. Jedenfalls, durch Platzmangel war die Garage (mit Carrara-Marmorboden) an den Wänden mit Ueckers Nagelbildern versehen. Die Köche fuhren in die Garage, direkt an den Aufzug. Ich kam einige Minuten später mit diversen Hummerplatten. Inzwischen hatten sich die Köche umgezogen und ihre Klamotten an die Nägel der Ueckerkunstwerke gehängt. Wohlgemerkt, ein solches Bild kostet Hunderttausende. Mich traf fast der Schlag und ich konnte alles noch ordnen bevor Bedienstete des Hauses diesen Wahnsinn entdecken konnten.

Kurz und gut, Günther, den ich schon bald dreißig Jahre kenne, kam anlässlich seines achtzigsten Geburtstags auf die Wielandshöhe und saß an Tisch drei. Wir redeten übers Kochen u.s.w., seine Frau ist übrigens eine formidable Köchin. Jedenfalls konnte ich nun nach Jahren diesen Fauxpas gestehen und erzählte ihm die Geschichte von der Garage des Kunstsammlers. Er amüsierte sich sehr, lachte hellauf und meinte: “Endlich mal jemand, der mit meinen Bildern richtig umgeht!”

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