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28. April 2007

Jeder verdient sein Geld so wie er die Nerven dazu hat und keine Freunde die ihn abstoppen. Der nordspanische Koch Ferran Adria ist eigentlich ein prima Typ. Ich habe ihm mal die Hand gedrückt und bekanntlich weiß man dann über einen Menschen einiges. Jetzt hat er etwas Neues erfunden. Diesen Umsatz gönne ich ihm, aber die Leser dieser Zeilen möchte ich davor bewahren. Sie können Ihre Neugierde befriedigen unter www.der-feinschmecker-club.de/go/tischkultur

Sie können dort den “Scheiss der Woche” bewundern. Über die Zeitschrift “Der Feinschmecker” kommen mir so langsam erhebliche Zweifel. Eigentlich wäre der Kapitalismus eine prima Sache, wenn es für Viele nicht in erster Linie nur darum ginge die Leute abzukochen und übers Ohr hauen. Dass sich im “Feinschmecker” arg viel Werbung des üblen Nestlé-Konzerns der auf seinen Raubtierkapitalismus auch noch stolz ist, sich breit macht, finde ich gar nicht gut.

Geben Sie mal bei Google www.youtube.com ein. Dann den Suchbegriff ”we feed the world”

27. April 2007

Restaurant Wielandshöhe
- Vincent Klink -
Alte Weinsteige 71
D-70597 Stuttgart-Degerloch

Telefon 0711/640 88 48
Telefax 0711/640 94 08

Sonntag und Montag Ruhetag

Küche
12.00-14.00 18.00-21.00

Tischreservierung nur
per Telefon

Keine Kochkurse
www.wielandshoehe.de
edition@vincent-klink.de

Spargel

24. April 2007

Hiltl

Beide Spargel sind in Salzwasser mit etwas Zucker blanchiert. Der untere hat dreieckige Triebansätze, ist naturbelassen und sieht für meine Begriffe schön aus. Der obere, da hat einer unserer Koche diese Blattspitzen weggezupft. Ich frage ihn “warum?” Ja, das habe ich so gelernt (Zwei-Sternegastronomie).
Ich sage nur, “lass den Spargel in Frieden, den hat der Liebe Gott so wachsen lassen.” Ich wundere mich zu welchen Verrenkungen moderne Köche fähig sind. Muss denn alles begrabscht und verändert werden, um nicht zu sagen, verschlimmbessert?

Sonntagsausflug nach Zürich Restaurant Hiltl, ein Vegetarisches Restaurant. Es wurde schon vor dem Krieg gegründet.

Muss schon sagen, die Einrichtung ist völlig jenseits des Müslivorurteils, richtig gelungen. Ein total vornehmer Laden mit wunderbar gemischtem Publikum, angefangen vom Studenten bis zum Kapitalisten. So sollte Gastronomie sein, klassenlos. Nein ganz klassenlos war es dann doch nicht. Man sah allen Gesichtern an, es war schon die etwas schlauer und nachdenklichere Sorte der Menschheit hier versammelt.

So gut das Essen war, die Werbung des Hauses finde ich bescheuert. Nichts gegen Vegetarier, aber wenn Vegis glauben sie seien bessere Menschen, dann ist das doch reichlich überheblich. Nichts geht mir mehr auf den Geist als alles was sich in der Nähe der Heuchelei befindet.

21. April 2007

Bio, Witzig

Alfred Biolek und Eckart Witzigmann haben mich gestern besucht. Zwei wunderbare Typen. Meister Eckart verehre ich ja sowieso, aber mit Bio zusammen war es eine selten frohe Runde. Beide sind Profis im freudigen Geniessen bei Tisch. Das kann man eigentlich nicht lernen, das hat man in den Genen, oder aber nicht.

Vor Jahren schrieb ich mal eine Kolumne mit der Überschrift “Lecko Bio”. Alfred Biolek war schwer beleidigt. Es war aber ein Missverständnis. Ich wollte es als Ausruf erstaunter Anerkennung verstanden wissen.

Warum? Meine Frau, völlig unbeleckt vom Kochen, also keine Ahnung, sotto zero, lernte die Kocherei bei Biolek. Nicht bei mir, es war ihr zu professionell. Bio mit seinem unglaublichen Charme machte einfach mehr Mut als der Profikoch.

Über Bio wurde ja schon viel gelästert. Trifft man solche Mediengrößen selbst, dann ist meist alles anders, als man es aus der Presse entnommen hat. Mit Bio am Tisch zu sitzen war mir ein großes Vergnügen.

16. April 2007

Apropos Bauchgefühl und Ahnung: Mein Opa war Altphilologe, ein gescheiter Mann und guter Pädagoge. Er erkannte bei mir meine Zahlenlegasthenie, die sich mit aufkommen der Taschenrechner gefährlich auswuchs. Der Alte sagte zu mir eines Tages: „Bub Du kaufsch vier Gurken und jede koscht 50 Pfennig. Jetzt tippst Du des in deinen Taschenrechner. Was zeigt er an? 20 Mark! Bub, Du musch net viel denka. Denk oifach: Ka des sein?“


15. April 2007

Wir alle kennen das bei Pazifisten häufig ausgerufene Halali: „Es ist Krieg, aber keiner geht hin!“ Bert Brecht lieferte diese Steilvorlage. Doch nicht genug, seine Sentenz ging noch weiter und da wird es erst richtig wichtig: „Wenn Du nicht hingehst, kommt der Krieg zu Dir!“

Deshalb lese ich noch Zeitung ,obwohl es schwierig ist unter all dem Ungefähren die Wahrheit raus zu fieseln. Deshalb hat es der Politiker nicht auch nicht einfach. Er hat seine Parteifreunde und Berater, die letztlich ihre eigenen Interessen, Vorurteile, Prägungen und auch manchmal die Infamie bis hin zum Sturz des Vorgesetzten haben.

Was soll man da raten? Eigentlich nur das, dass man seine eigene Urteilsfähigkeit
stärkt. Man muss informiert sein, so heißt es. Was aber wenn alle Informationen mit irgendwelche Haken, Fallen, und Undeutlichkeiten kontaminiert sind?

Zur eigenen Urteilsfindung und als Vademekum gegen Irrtum und Mist, den man von sich gibt, hilft das, was man landläufig unter Bildung versteht nur rudimentär. Ganz besonders dann, wenn nicht eine andere Auffassung von Bildung hinzukommt, nämlich die Herzensbildung-.

Deutschland wird von Juristen regiert was seit Jahren fatale Folgen zeigt. Das Ver- trauen auf Paragrafen ist dem zwischenmenschlichen und dem Erkennen der feinen Töne abträglich. Es erzieht bereits den jungen Juristen dem Gesetzestext alles unter- zuordnen und die eigenen Regungen zu unterdrücken. Man denke an den Satz des Herrn Filbinger: „Was damals Recht war kann heute nicht Unrecht sein.“ Ein Satz, juristisch richtig, menschlich verabscheuungswürdig und persönlich idiotisch.

Vor Verwaltungsjuristen sollte man sich besonders in Acht nehmen. Vor denjenigen, die sich brav durch Parteikader in die obere Politik gerackert haben, erst recht. Zwangs- läufig verliert man durch berufsspezifischen Werdegang seine innere Stimme und das Heer der Berater übernimmt. Dass solche Leute das kleinste Problem gesetzlich geregelt wissen wollen, ja müssen, liegt auf der Hand. Der eigene Ermessenspielraum, die eigene Regung, das Gefühl, die Ahnungen und sonstige atmosphärische Kalküle werden bereits in der Ausbildung unterdrückt. Sehen deshalb viele Jungpolitiker aus wie im Windkanal trainierte Bibelverkäufer? Die jungen Parteieleven errechnen sich ihre Karriere, alles klappt, bis dann irgendwann mal eine eigene Entscheidung gefordert wird die sich nicht mit Paragrafen regeln lässt. Nun ist der Instinkt gefordert, gerade dann wenn man das Finale der Laufbahn erreicht hat.

Kann man als Ministerpräsident noch auf innere Regungen horchen? Kann man sich selbst noch trauen? Ist man noch geerdet? Kann man sich Zivilcourage noch leisten? Haben nicht die Hofschranzen und Parteifreunde das Sagen? Schwierig, schwierig.

Ja, ja, die Parteifreunde, ein geschundener Der Ruf nach Rücktritt ist obsolet, denn dann müssten die ganze Ohrenbläser im Hintergrund auch abdanken. Pauschal und krass formuliert gäbe es dann gar keine Baden-Württembergische CDU mehr.

Ich glaube die Deutschen haben ein spezielles Gen für Kadavergehorsam. Ist dies die Basis unseres Parteiensystems? Irgendwo in diesen Vermutungen liegt des Pudels Kern oder die Ursache für des Bürgers Unmut.

5. April 2007

Design und Ferran Adrià

Design ist alles sagt der spanische (Koch) Künstler Ferran Adrià. Da kann ich nicht rück- haltlos folgen. Meine Meinung ist genau umgekehrt, Design ist (fast) nichts, denn es kommt auf die Inhalte an. Ein aus guten Lebensmitteln gekochtes Gericht, wenn es gelungen ist, kann niemals hässlich sein. Wird die Natur nicht manipuliert, dann wird auch immer deren Schönheit durchschimmern. Bei guter Küche stellt sich meiner Meinung nach gutes Design von selbst ein.

Sehen wir Kochen als freie Kunst an, dann darf ein Gericht völlig anders aussehen als es sich auf der Zunge präsentiert. Viele machen sich über Ferran Adrià lustig. Warum? Adrià nie auf den Sinn naturbezogene Küchestile in Frage zu stellen. Es sind zwei Welten, hier der handwerkliche Koch der fest in der Tradition steht, dort der kochende Surrealist, Neuerer, der weniger für die Sinne der Eingeweide sich zuständig fühlt, sondern für den intellektuellen Genuss. Es geht um gegenseitigen Respekt und vor Adrià ist meine Achtung unbegrenzt. Dies wäre auch so, wenn er nicht an der Kasseler der Documenta teilnehmen würde.

Wir erleben ähnliche Zeiten wie vor genau hundert Jahren als mit dem „Fin de Siècle“, als „Décadence“ noch nicht mit Blödheit übersetzt werden konnte. Joris Huysmans schrieb seinen berühmten Roman „A Reburs“, mit Schönberg, Malewitsch und vielen Anderen, auch dem Dadaismus stießen mutige Künstler in unbekanntes Terrain vor. Ferran Adriè könnte ein solches Kaliber sein. Ähnlich wie damals, war man mit dem traditionellen Latein am Ende, hatte Angst vor der modernen Zukunft, vor der Industrialisierung. Man Bedenke, als der avantgardistische Architekt Le Corbusier studierte wurden noch neugotische Kirchen gebaut.

Die fortschreitende Zeit wird weisen was von den Neuen Ideen Ferran Adriàs übrig
bleibt. Die Nahrungsmittelindustrie profitiert schon heute davon. Sie hat es allerdings sehr nötig, dass die Erzeugnisse, wenn schon mit allen Tricks auf Wohlgeschmack hingebogen, wenigstens gut designt sind. Wir werden sehen, bleibt und noch kommt. Vieles erledigt sich rasant.

Übrigens: Ich nehme den „Spiegel“ aus dem Briefkasten und blättere ihn erst eine Woche später durch. Das Verfallsdatum der Nachrichten ist atemberaubend. Das Wesentliche, das wenigstens eine Woche wissenswert bleib, das lese ich dann und speichere in meinem Kopf. Viel ist es nicht. Die Welt müllt sich immer mehr zu, vor
allem auch die Köpfe. Da muss man nicht unbedingt mitmachen.



Cees Nootebohm (*1933) ist holländischer Schriftsteller von großem Kaliber. Bei Suhrkamp erscheinen seine Werke. Im Herbst erscheint ein Band mit "Leichten Geschichten". Darin beschreibt er unter anderem ein Rezept aus seiner Wahlheimat Menorca. Es geht um Innereien, um das Geschlinge, also die Gurgel an der alles dranhängt was er so sehr liebt: Herz, Leber Lung, Milz. Sein Fazit:

"Ich habe Respekt vor Vegetariern, nicht aber vor Menschen, die halbe Tiere wegwerfen und nur das essen, was ihnen keinen Ekel einflößt."

1. April 2007

Er war mir ein Vorbild. Nun ist er tot. Franz Keller wollte ich nocheinmal sehen und besuchte ihn am Kaiserstuhl. Er lag aufgebahrt da wie ein Staatsmann: In "Die Zeit online" habe ich darüber geschrieben.

http://blog.zeit.de/nachgesalzen/category/menschen/

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